METAMORPHOSE STADTVISION

Am Anfang ist das (kritische) Wort… über die Gewerbegebiete in ganz Europa. Außerhalb der historischen Stadtzentren findet sich die „Planungswüste“ oder der „Misthaufen der Nation“ wie Peter Lorenz es in einem Interview vor vielen Jahren formuliert hatte. Alle üblichen Planungsprinzipien und städtebaulichen Leitlinien gelten hier nicht und sind über Bord geworfen. Ressourcen- und Baulandverschwendung, Versiegelung, kaum Begrünung, das Fehlen jeglicher  Stadträumlichkeit und Urbanität sowie ein massives Verkehrsaufkommen machen daraus systemlose, chaotische Haufen, die eine unfassbare Trostlosigkeit verbreiten. Daher schließen wir lieber unsere Augen wenn wir dort zu tun haben oder daran vorbei fahren. Die fachliche Kritik an der „funktionalen Stadt“ und das Leitbild der „durchmischten Stadt“ ist schon
seit Jahrzehnten bekannt und verbreitet in unzähligen Büchern, Richtlinien, Chartas und Bekenntnissen. Vielerorts ignoriert die träge politische und bürokratische Realität diese Lehrmeinung und hält sich wider besseres Wissen unbewusst immer noch an die längst überholte Charta von Athen aus dem Jahre 1933 mit funktional getrennten  Widmungskategorien. Die Diskussion darüber ist festgefahren.  Noch vor 30 Jahren gab es zumindest verschiedene
Gewerbezonierungen, die es ermöglichten das Gewerbe nach Wohnverträglichkeit der Emissionen zu gruppieren. Innsbruck, einer rasch wachsenden Stadt in Talkessellage, gehen die Baulandreserven aus und die Stadt leidet nicht zuletzt deshalb unter viel zu teuren Wohnungen. Auch das zentrumsnahe Gewerbegebiet „Mühlau-Arzl“ zeigt die erlebbare  „Abwesenheit von Stadt“. Die Möglichkeit einer Stellungnahme zum Örtlichen Raumordnungskonzept nehmen  Lorenzateliers wahr und beschäftigten sich mit dem enormen Potential einer Widmungsänderung bei gleichzeitiger  Nachverdichtung: die Verwandlung in ein durchmischtes, produktives Quartier mit hoher, innerstädtischer Dichte würde
bis zu 9.000 Wohneinheiten mit einem hohen Anteil „leistbarer Wohnungen“ erzeugen. Ebenso wäre eine Verdoppelung der Flächen an „wohnungsverträglichem Gewerbe“ durch eine sorgfältige Planung möglich. Wir wissen mittlerweile, dass die Produktion in der Zukunft immer weniger immissionslastig werden wird. Diese „Metamorphose“ findet in einem bereits erschlossenen, zentrumsnah gelegenen Gebiet in besonnter Lage zwischen zwei Wohngebieten statt. Die Aufwendungen für die städtische Infrastruktur entfallen. In vertikaler Nutzungsmischung werden Wohnungen auf Gewerbeflächen aufgesetzt, Flachdächer zu Gärten, die verschwenderischen Parkplätze verschwinden in den Gebäuden. Das angebotene Miteinander von Wohnen und Arbeiten reduziert überflüssigen Verkehr, neue Energiekonzepte und eine „weiche“ Mobilität können realisiert werden, die eklatante Flächenversiegelung verschwindet. Vor allem aber entstehen ein attraktiver öffentlicher Raum und ein dezentrales, urbanes Subzentrum mit einer eigenen Identität. Visionen erfordern die Bereitschaft sich damit auseinanderzusetzen. Das passiert dann, wenn das Unbehagen an Missständen groß genug  geworden ist. Jede Zukunftsgestaltung stellt Althergebrachtes in Frage: die rechtlichen Voraussetzungen müssen den besseren Lösungen dienen und nicht umgekehrt. Vor allem ist es höchste Zeit einen konstruktiven Diskurs einzuleiten,  denn Innsbruck hat nicht wirklich eine Wahl: das neue „gewerbliche Mischgebiet“ in hoher stadträumlicher Qualität  repräsentiert die “neue Stadt“ – nicht mehr als Stadterweiterung im Raubbau an landschaftlichen Flächen, sondern durch die Metamorphose bisher schlecht genutzter Gewerbegebiete.
AUFTRAGGEBER Eigeninitiative/Interessensgemeinschaft
STANDORT Innsbruck, Österreich
PLANUNGZEIT 2018-2020
AUSFÜRUNG 2020-2050
PROJEKTDATEN Studie mit städtebaulichem Leitbild, Stellungnahme zum ÖROKO 2.0
MODELL LA

PLAN BESTAND

STÄDTBAULICHES LEITBILD PHASE 1  – 2030 –

STÄDTBAULICHES LEITBILD PHASE 2  – 2050 –


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