Den 1. Preis des geladenen Wettbewerbs gewinnt der Entwurf, der sich nicht an die Ausschreibung hält: Abriss und Neubau anstatt Aufstockung oder Anbau.
Ausgangspunkt für das architektonische Konzept der IVB Zentrale waren die Ansprüche und Bedürfnisse der Fahrer, Mechaniker und Techniker, die ein Bürogebäude mit der Robustheit einer Werkstätte benötigen. Entstanden ist ein schlichter, klar gerasteter Stahlbetonbau mit einer vorgehängten gerosteten Corten-Fassade – eine subversive Referenz auf die Schienenstränge der Straßenbahn. Ein Gebäude, das Identität schafft, mit seiner Funktion, seinem Wesen spielt. Die unregelmäßig gelochten Platten können teilweise manuell nach außen geklappt werden – als Sonnenschutz, der gleichzeitig die Fassade belebt.
Die IVB Zentrale ist kein Solitär, sondern tritt selbstbewusst in den Dialog mit seiner prominenten und historischen Umgebung: die spätbarocke Basilika, das spätgotische Leithaus, das barocke Prämonstratenserstift und der Klosterfriedhof. Das Gebäude hat ein Z-Profil. An der Ostseite kragt es weit aus, scheint über der V-förmigen Stütze zu schweben und inszeniert so den Eingangsbereich. Im Freiraum unter der Auskragung kurvt die Straßenbahn auf ihrem Weg in die Remise quasi durch das Haus – ein Symbol für Funktion und Identität des Gebäudes.
Im Inneren wird überall, wo dies möglich ist, auf Verkleidung der Ursprungs­materialien verzichtet. Der Boden ist in Estrich ausgeführt, die Decken und Wände in Sichtbeton. Trennwände zwischen Büros und Gängen bestehen aus Profilitglas, zusätzliche Zwischenwände aus zementgebundenen Spanplatten. Die Gangtüren und verkleideten Flächen sind mit Schwarzblech beplankt. Die Raumhöhe von 3,20 Metern und die breiten Gänge erzeugen eine großzügige Atmosphäre – trotz der kleinen, funktionalen Büroräume.
AUFTRAGGEBER Innsbrucker Verkehrsbetriebe und Stubaitalbahn GmbH
STANDORT Innsbruck, Österreich
BAUZEIT 2010-2013
PROJEKTDATEN Bruttogeschossfläche 4.132m²
FOTOS Christian Flatscher